Betriebsrätebefragung 3. Quartal 2026 Betriebsräte sehen erste Lichtblicke für die Industrie – Beschäftigung bleibt jedoch unter Druck

Die aktuelle Betriebsrätebefragung der IG Metall zeigt: Die wirtschaftliche Lage in vielen Industriebetrieben hat sich gegenüber den Tiefständen der vergangenen Jahre spürbar verbessert. Gleichzeitig bleibt die Lage am Arbeitsmarkt angespannt. Trotz besserer Auslastung und vorsichtig optimistischer

Wirtschaftskonzept

20. September 2026 20. September 2026


Die aktuelle Betriebsrätebefragung der IG Metall zeigt: Die wirtschaftliche Lage in vielen Industriebetrieben hat sich gegenüber den Tiefständen der vergangenen Jahre spürbar verbessert. Gleichzeitig bleibt die Lage am Arbeitsmarkt angespannt. Trotz besserer Auslastung und vorsichtig optimistischer Geschäftsaussichten berichten viele Betriebsräte weiterhin von Stellenabbau und Personalreduzierungen. 

An der bundesweiten Befragung beteiligten sich zwischen dem 27. Juli und dem 21. August 2026 insgesamt 2.475 Betriebsratsvertreter*innen aus Betrieben mit rund 1,3 Millionen Beschäftigten. Damit bewegt sich die Beteiligung auf dem Niveau der vergangenen Befragungsrunden. 

Konjunktur entwickelt sich langsam positiv

62 Prozent der befragten Betriebe der Metall- und Elektroindustrie berichten aktuell von einer guten oder sehr guten Auslastung ihrer Produktionskapazitäten. Damit setzt sich der positive Trend der vergangenen Monate fort. Die Kapazitätsauslastung liegt inzwischen wieder etwa auf dem Niveau von Herbst 2023 und deutlich über den Tiefständen des Jahres 2024. 

Insbesondere die Elektrotechnik sowie der sonstige Fahrzeugbau tragen zur Erholung bei. Während der Automobilbau weiterhin mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert ist, gibt es dort positive Entwicklungen vor allem bei Elektromobilität und Nutzfahrzeugen. Der sonstige Fahrzeugbau profitiert unter anderem von staatlichen Investitionen und verzeichnet derzeit eine vergleichsweise gute Geschäftslage. 

Viele Betriebe bauen weiter Arbeitsplätze ab

Die verbesserte Konjunkturlage kommt bei den Beschäftigten bislang nur eingeschränkt an. In zahlreichen Betrieben wird weiterhin Personal abgebaut. Besonders betroffen bleibt der Automobilsektor. Aber auch in anderen Bereichen der Industrie liegen die Werte noch deutlich über dem Niveau wirtschaftlich ausgeglichener Zeiten. 

Besonders kritisch ist, dass Arbeitsplätze nicht nur in Betrieben mit wirtschaftlichen Problemen verloren gehen. Nach Angaben der Betriebsräte bauen auch Unternehmen mit guter oder sehr guter Gewinnsituation weiterhin Beschäftigung ab. Seit mehreren Jahren steigt der Anteil solcher Betriebe. Dies nährt den Verdacht, dass die allgemeine Krisenstimmung teilweise genutzt wird, um Personalabbau durchzusetzen, obwohl die wirtschaftlichen Voraussetzungen vielerorts besser sind als dargestellt. 

Erste Signale für Stabilisierung am Arbeitsmarkt

Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass die Talsohle auf dem Arbeitsmarkt erreicht sein könnte. Erstmals seit 2023 berichten die Betriebsräte wieder häufiger von steigenden Arbeitszeitkonten. Auch Fachkräftemangel wird wieder verstärkt als Problem genannt. Zudem wird in mehr Betrieben Leiharbeit aufgebaut als abgebaut. Leiharbeit gilt häufig als Frühindikator für die weitere Entwicklung der Stammbeschäftigung. 

Die Befragung deutet deshalb darauf hin, dass sich die Beschäftigungslage in den kommenden Monaten stabilisieren könnte. Ob daraus tatsächlich ein nachhaltiger Beschäftigungsaufbau entsteht, hängt jedoch maßgeblich von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung ab. 

Risiken bleiben erheblich

Von Entwarnung kann dennoch keine Rede sein. Die Betriebsräte sehen weiterhin erhebliche Risiken für einen nachhaltigen Aufschwung. Dazu gehören anhaltende Lieferengpässe, insbesondere bei Halbleitern und elektronischen Bauteilen, sowie Unsicherheiten bei der Versorgung mit wichtigen Rohstoffen. Zudem könnten steigende Energiepreise die wirtschaftliche Erholung erneut ausbremsen. 

Auch der zunehmende Fachkräftemangel wird für viele Unternehmen zu einem Standort- und Wettbewerbsfaktor. Mehr als 60 Prozent der Betriebe mit Fachkräftemangel sind der Auffassung, dass eine vorausschauende betriebliche Personalpolitik die bestehenden Probleme zumindest deutlich hätte abmildern können.

Gute Industriepolitik bleibt entscheidend

Die Ergebnisse der Befragung zeigen ein gemischtes Bild: Die Industrie arbeitet sich Schritt für Schritt aus der Konjunkturschwäche heraus, viele Betriebe blicken wieder etwas optimistischer in die Zukunft. Gleichzeitig bleibt die Sicherung von Beschäftigung die zentrale Herausforderung.

Für die IG Metall ist deshalb klar: Die wirtschaftliche Erholung muss bei den Beschäftigten ankommen. Gute Arbeit, sichere Arbeitsplätze, Investitionen in die Transformation und verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen bleiben die entscheidenden Voraussetzungen dafür, dass aus den ersten positiven Signalen ein nachhaltiger Aufschwung wird.