Keine Annäherung in der ersten Runde Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie. Nach dem Start in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg letzte Woche Mittwoch ging die erste Verhandlungsrunde am Donnerstag in Bayern, an der Küste, in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt weiter. Am Freitag folgte der Tarifauftakt in der Mittelgruppe für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland, am Montag in Berlin-Brandenburg und Thüringen und am Mittwoch abschließend in Sachsen.
Die IG Metall fordert 5 Prozent mehr Geld, für eine Laufzeit von 12 Monaten. Zudem will sie Arbeitsplätze und Standorte sichern. In gut laufenden Unternehmen soll es eine tarifliche Gewinnbeteiligung geben. Beschäftigte mit niedrigen Einkommen und Auszubildende sollen eine soziale Komponente erhalten.
Vor den Verhandlungen demonstrierten Tausende Metallerinnen und Metaller für ihre Forderungen.
Die Arbeitgeber lehnten die Forderungen der IG Metall ab – legten aber kein eigenes Angebot vor. „Gerade in diesen Zeiten müssen die Arbeitgeber Verantwortung für ihre Belegschaften übernehmen. Es ist bedauerlich, dass sie dazu beim Auftakt nicht bereit waren“, kritisierte Jan Otto, IG Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer für Berlin, Brandenburg und Sachsen.
Wirtschaftliche Lage unterschiedlich – Trend positiv
„Trotz Aufhellung bleibt die wirtschaftliche Situation herausfordernd. Dafür sind nicht die Beschäftigten verantwortlich“, erklärte Jörg Köhlinger Verhandlungsführer und Bezirksleiter der IG Metall Mitte. Köhlinger verwies auf die gegenüber den Material- und Energiekosten geringen Arbeitskosten in der Metall- und Elektroindustrie – bundesweit im Schnitt 16,9 Prozent des Umsatzes. „Vielmehr haben Fehleinschätzungen von hochbezahlten Managern – insbesondere in der Automobil- und Zulieferindustrie – dazu beigetragen.“
Tatsächlich haben die Wirtschaftsinstitute ihre Prognosen zuletzt deutlich nach oben korrigiert. Und auch Umfragen der IG Metall unter Betriebsräten zeigen einen Aufwärtstrend: 62 Prozent der Betriebe haben wieder eine gute bis sehr gute Auslastung. Allerdings ist die Lage sehr unterschiedlich. Während die Auto- und Zulieferindustrie schwächelt, boomen andere Branchen wie die Luft- und Raumfahrt, die Medizintechnik, die Elektrotechnik und die Wehrtechnik geradezu. Und die Mehrheit der Betriebsräte schätzt die Aussichten in den kommenden sechs Monaten als gut oder sogar sehr gut ein, selbst in der Autoindustrie. Gleichzeitig belasten die hohen Preise die Beschäftigten erheblich.
„Die Arbeitgeber schauen nur auf die Lohnkosten, das ist verengt und ideenlos. Innovationen und Investitionen schaffen Wettbewerbsfähigkeit“, sagte Bayerns IG Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer Horst Ott nach der Verhandlung in München. „Die Beschäftigten sind kein Kostenproblem, sondern diejenigen, die jeden Tag aufstehen und das Land am Laufen halten. In dieser Tarifrunde geht es auch darum, den Beschäftigten Respekt für ihre Leistung entgegenzubringen.“
IG Metall erwartet Angebot von den Arbeitgebern
„Unsere Forderungen liegen seit Wochen auf dem Tisch. Die Arbeitgeber kennen die Themen und die Erwartungen der Beschäftigten. Umso enttäuschender ist es, dass sie heute kein Angebot vorgelegt haben“, kritisierte Daniel Friedrich, Verhandlungsführer und Bezirksleiter der IG Metall Küste am Donnerstag.
Friedrich betonte, die IG Metall sei bereit, konstruktiv und zügig zu verhandeln – und forderte die Arbeitgeber auf, nicht auf Kosten des Industriestandorts Deutschland auf Zeit zu spielen.
„Es überrascht nicht, dass die Arbeitgeber kein Angebot heute mitgebracht haben. Dennoch ist ein wenig mehr Empathie für die Situation der Beschäftigten und deren Druck auf dem Geldbeutel angemessen!“, meint Thorsten Gröger, Bezirksleiter und Verhandlungsführer der IG Metall für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. „Nun liegt der Ball bei ihnen, unsere Argumente gewissenhaft zu prüfen und eigene Vorschläge vorzulegen.“
„Die Arbeitgeber müssen konkrete Lösungen auf den Tisch legen. Und dabei ist klar: Diese Lösung kann nicht Verzicht heißen“, erklärte Barbara Resch, Verhandlungsführerin und Bezirksleiterin der IG Metall Baden-Württemberg am Mittwoch. Die IG Metall Baden-Württemberg will mit dem regionalen Arbeitgeberverband Südwestmetall auch über konkrete Perspektiven für Arbeitsplätze und Standorte sprechen, über künftige Produkte und Fertigungskapazitäten sowie notwendige Investitionen.
Die Arbeitgeber sind nun aufgefordert, in der nächsten Verhandlungsrunde ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen. Die Beschäftigten erwarten zu Recht mehr Respekt für ihre Leistung und eine spürbare Stärkung ihrer Kaufkraft, machte Knut Giesler klar, Verhandlungsführer und Bezirksleiter der IG Metall NRW. „Die Beschäftigten haben mit ihrem Engagement, ihrer Flexibilität und ihrer Leistung wesentlich dazu beigetragen, dass die Branche wieder Tritt fasst. Jetzt müssen sie auch angemessen an der positiven Entwicklung beteiligt werden.“