Warnstreikauftakt in Neuss und Düsseldorf Rund 1.150 Beschäftigte protestieren gegen Minus-Angebot

Mit zwei Warnstreikaktionen hat die IG Metall Düsseldorf-Neuss den Druck in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie erhöht. Insgesamt rund 1.150 Beschäftigte legten am Montag und Dienstag die Arbeit nieder.

03.11.2026

3. November 2026 3. November 2026


Warnstreikauftakt in Neuss und Düsseldorf: Rund 1.150 Beschäftigte protestieren gegen Minus-Angebot

•    Fackel-Aktion zur Nachtschicht bei Alu Norf, Großkundgebung am Mercedes-Benz-Sprinterwerk
•    Nadine Boguslawski und Knut Giesler sprechen vor rund 1.000 Beschäftigten aus sieben Betrieben
•    IG Metall fordert 5 Prozent mehr Geld, Gewinnbeteiligung und Beschäftigungssicherung

Düsseldorf – Mit zwei Warnstreikaktionen hat die IG Metall Düsseldorf-Neuss den Druck in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie erhöht. Insgesamt rund 1.150 Beschäftigte legten am Montag und Dienstag die Arbeit nieder. Sie protestierten gegen das Angebot der Arbeitgeber, das für die 3,7 Millionen Beschäftigten der Branche auf Reallohnverzicht hinausläuft.


Den Auftakt machten am Montagabend (2. November) rund 150 Beschäftigte der Aluminium Norf GmbH in Neuss. Zur Nachtschicht protestierten sie mit Fackeln gegen das Angebot der Arbeitgeber.


Dinah Trompeter, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Düsseldorf-Neuss, sprach vor den Beschäftigten der Nachtschicht: „Wer nachts arbeitet, damit die Anlagen rund um die Uhr laufen, hat mehr verdient als ein Minus-Angebot. Die Fackeln sind ein klares Signal an die Arbeitgeber: Die Kolleginnen und Kollegen sind bereit, für ein faires Ergebnis zu kämpfen – und das ist erst der Anfang.“


Am Dienstagvormittag (3. November) folgten rund 1.000 Beschäftigte dem Aufruf zur Kundgebung am Mercedes-Benz-Sprinterwerk in Düsseldorf. Neben den Beschäftigten von Mercedes-Benz beteiligten sich Kolleginnen und Kollegen von TK Elevator, Vodafone, ZF Active Safety, ZF Capri NewCo, TK Home Solutions und der Siemens-Niederlassung Düsseldorf.


Hauptrednerin war Nadine Boguslawski, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall für Tarifpolitik: „Wir haben ein ausgewogenes und flexibles Tarifpaket auf den Tisch gelegt, doch die Arbeitgeber haben mit einem frechen Minus-Angebot provoziert. Wir wollen Gerechtigkeit und Zukunft für alle Beschäftigten in allen Unternehmen zwischen Krise und Boom. Die Arbeitgeber fahren mit ihrem Verhalten den Karren an die Wand: Sparen und Streichen sind keine Zukunftsstrategie – das Land braucht Innovationen und Investitionen! Mit dem geforderten Reallohn-Verzicht und weniger Kaufkraft würden die Arbeitgeber den eigenen Konjunktur-Motor abwürgen.“


„Das Angebot setzt zu spät ein, ist zu niedrig, die Laufzeit ist zu lang und es steckt wenig Zukunft drin. Es bleibt deutlich hinter den Erwartungen und Bedürfnissen der Beschäftigten zurück. Auch weil mit dem betrieblichen Instrument Personalkosten reduziert werden sollen. Die Beschäftigten müssen Investitionen in die Zukunft also selbst erkaufen“, erklärte Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW und Verhandlungsführer. „Wer Leistung, Wandel und Zukunft einfordert, muss jedoch bereit sein, in die Menschen zu investieren, die diesen Wandel Tag für Tag tragen und sollte sie nicht zu Sündenböcken der aktuellen wirtschaftlichen Situation machen.“ 


Die IG Metall fordert ein Tarifpaket, das die unterschiedliche wirtschaftliche Lage der Betriebe berücksichtigt: 5 Prozent höhere Entgelte, die tarifliche Sicherung von Arbeitsplätzen und eine tarifliche Gewinnbeteiligung für Boom-Unternehmen. Die Arbeitgeberverbände haben dagegen eine streichbare Einmalzahlung im Juli 2027 und 1,3 Prozent höhere Entgelte ab Juli 2028 angeboten. Das würde auf deutliche Kaufkraftverluste hinauslaufen.


Für die IG Metall Düsseldorf-Neuss sprach Jessica Worrings, Zweite Bevollmächtigte. Sie machte deutlich, dass die Beschäftigten in den Betrieben vor Ort schon jetzt unter Druck stehen: „Bei Mercedes ist von 38 statt 35 Stunden für das gleiche Geld die Rede – das ist nichts anderes als eine Lohnkürzung. Bei TK Elevator sorgt die anstehende Übernahme für Unsicherheit. Die Herausforderungen sind in jedem Betrieb andere. Aber eines haben wir alle gemeinsam: Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen. Und wir lassen uns nicht mit Brotkrumen abspeisen.“
 


03.11.2026