Tarifrunde vor Eskalation Mehr Angriff als Angebot

Das war mehr als mager: In der zweiten Verhandlung der Tarifrunde für die nordrhein-westfälische Metall- und Elektroindustrie haben die Arbeitgeber ein Angebot vorgelegt, „das auf ganzer Linie enttäuscht“, sagte IG Metall-Verhandlungsführer Knut Giesler.

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28. Oktober 2026 28. Oktober 2026


Die Arbeitgeber boten eine Einmalzahlung für Mitte des kommenden Jahres über 1

Prozent des durchschnittlichen Bruttojahresentgelts, die Rede war von 650 Euro.

Nochmals ein Jahr später, also Mitte 2028, sollen die Entgelte um 1,3 Prozent steigen.

Insgesamt hätte der Tarifvertrag eine Laufzeit von 26 Monaten, „und die Beschäftigten

müssten anderthalb Jahre warten, bevor sich bei ihren Tarifentgelten überhaupt

etwas bewegt“, so Giesler. 

 

Damit nicht genug, knüpfen die Arbeitgeber diese

Minimalkost an Bedingungen: Sie wollen in den Betrieben Abweichungen nach unten

möglich machen. Wenn Unternehmen investieren, sollen die Beschäftigten als

Gegenleistung auf Entgelt verzichten. „Die Kolleginnen und Kollegen würden damit für

alle Investitionen der Unternehmen auch noch selbst bezahlen“, erklärte Knut Giesler.

Außerdem wollen die Arbeitgeber noch die Krankenstände zum Thema eines

Abschlusses machen. Auch dies wird in der IG Metall als Provokation begriffen.

VIEL ZU WENIG, ZU SPÄT, ZU LANG Alles in allem ziemlich starker Tobak, lautete

die Reaktion in der Verhandlungskommission. „Dieses sogenannte Angebot würde nicht

mal annähernd die gestiegenen Lebenshaltungskosten ausgleichen“,

sagte Knut Giesler, „es bedeutet nichts anderes als eine Minusrunde für die hart

arbeitenden Menschen in den Betrieben.“ Was die Arbeitgeber auf den Tisch gelegt

haben, „ist eine Missachtung der Leistung der Beschäftigten“. Angesichts der

Verzichtsforderungen der Arbeitgeber „ist es mehr ein Angriff als ein Angebot“.

Gieslers Fazit: Die angebotene Erhöhung ist viel zu niedrig, sie kommt viel zu spät,

und die Laufzeit ist deutlich zu lang. Kurz: „Mit diesem Angebot sehe ich keine Chance,

dass wir uns innerhalb der Friedenspflicht einigen“, so Giesler, „wir sind meilenweit

von einer Einigung entfernt.“ Die IG Metall NRW war mit der Forderung nach

fünf Prozent mehr Geld in die Tarifrunde gestartet. Sie verlangt außerdem eine soziale

Komponente, mit der insbesondere Teilzeitbeschäftigte und Auszubildende

angesichts der steigenden Preise entlastet werden sollen. Die Friedenspflicht endet

bereits am kommenden Sonntag, 1. November. Einen Tag zuvor trifft sich die

Tarifkommission der IG Metall und wird über mögliche Warnstreiks

entscheiden. „Die Zeichen stehen auf Arbeitskampf“, betonte Knut Giesler.