Tarifkommission der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustrie beschließt einstimmig Forderung für die Tarifbewegung 2026
Sprockhövel. Die Tarifkommission der IG Metall NRW für die nordrhein-westfälische Metall- und Elektroindustrie hat ihre Forderung für die anstehende Tarifbewegung beschlossen. Sie fordert eine Erhöhung der Entgelte und Auszubildendenvergütung um 5 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Darüber hinaus sollen die Themen Beschäftigungs- und Standortsicherung, eine tarifliche Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben sowie eine soziale Komponente zur Besserstellung unterer Entgeltgruppen Gegenstand der Verhandlungen werden.
Diese Forderung wird an den Vorstand der IG Metall übermittelt. Dieser wird die regionalen Forderungsbeschlüsse diskutieren und am 23. September die Forderung für die gesamte IG Metall beschließen.
In den Forderungsbeschluss sind neben der intensiven Diskussion in der Tarifkommission auch die Ergebnisse aktueller Beschäftigten- und Betriebsrätebefragungen eingeflossen.
So zeigt sich die wirtschaftliche Lage in den nordrhein-westfälischen Betrieben der Metall- und Elektroindustrie im Spätsommer 2026 insgesamt etwas robuster als noch im Frühjahr. Das ist das Ergebnis der aktuellen Betriebsrätebefragung der IG Metall NRW, an der sich 884 Betriebsräte beteiligt haben. Die zentralen Wirtschaftsindikatoren entwickeln sich überwiegend positiv, wenn auch nur leicht. Bei den Auftragseingängen bewerten inzwischen 54 Prozent der Befragten die Situation als gut oder sehr gut. Im Frühjahr lag dieser Wert noch bei 52 Prozent. Auch bei den Auftragsbeständen und der Kapazitätsauslastung zeigen sich leichte Verbesserungen. Die Kapazitätsauslastung wird mittlerweile von 59 Prozent der Betriebsräte als gut oder sehr gut eingeschätzt. Im Frühjahr waren es noch 56 Prozent. Gleichzeitig hat sich die Einschätzung zu Gewinnen und Investitionen leicht verbessert. Ein Frühindikator für eine bessere wirtschaftliche Entwicklung ist zudem der Ausbau von Leiharbeit. 16 Prozent der Betriebe bauen Leiharbeitsplätze auf, während nur noch 14 Prozent einen Abbau melden. Im Frühjahr überwog noch deutlich der Rückgang.
„Die Beschäftigten haben in den vergangenen Jahren enorme Belastungen getragen und die Transformation der Industrie aktiv mitgestaltet. Jetzt ist es an der Zeit, dass sie an den wirtschaftlichen Verbesserungen beteiligt werden. Gleichzeitig brauchen die Menschen mehr Sicherheit für ihre Arbeitsplätze und Perspektiven für ihre Standorte“, erklärte Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW und Verhandlungsführer.
Denn die Beschäftigungssicherung bleibt eine zentrale Herausforderung. In zahlreichen Betrieben wurden in den vergangenen Jahren Stellen abgebaut oder weitere Personalreduzierungen angekündigt. Die Befragungsergebnisse zeigen aber, dass Personalabbau vielfach nicht allein Folge wirtschaftlicher Schwierigkeiten ist. Denn gleichzeitig sehen viele Betriebsräte weiterhin Defizite bei Investitionen in Standorte und Zukunftsprodukte. Fast die Hälfte der Befragten bewertet die Investitionstätigkeit ihres Unternehmens als unzureichend.
„Die wirtschaftliche Entwicklung darf nicht dazu genutzt werden, Beschäftigte weiter unter Druck zu setzen oder Standorte auszubluten. Wo die Geschäfte wieder anziehen, müssen Investitionen, sichere Arbeitsplätze und faire Einkommen im Mittelpunkt stehen. Die Beschäftigten erwarten zu Recht, dass wirtschaftliche Erfolge nicht allein bei den Unternehmen verbleiben“, betonte Giesler.
Auch eine Beschäftigtenbefragung der IG Metall, an der sich in NRW rund 43 000 Menschen aus 650 Betrieben beteiligt haben, stützt die Forderung der IG Metall. Die Befragung macht deutlich: Entgelt, Beschäftigungssicherung und soziale Sicherheit stehen für die Beschäftigten gleichermaßen im Mittelpunkt. Mit 70,8 Prozent nennen die Befragten gestiegene Lebensmittelpreise als eines ihrer wichtigsten aktuellen Themen. Auch die Absicherung im Alter (60,3 Prozent), steigende Gesundheitskosten (58,7 Prozent), die Zukunft des eigenen Betriebs (56,5 Prozent) sowie die Sicherheit des Arbeitsplatzes (54,4 Prozent) bewegen die Beschäftigten stark.
Entsprechend klar sind die Erwartungen an die Tarifrunde. Etwa die Hälfte der Befragten halten eine moderate (49,7 Prozent) für angemessen. Eine kräftige Entgelterhöhung erwarten 35,3 Prozent. Lediglich 15 Prozent sprechen sich für eine kleine oder gar keine Entgelterhöhung aus.
„Für die IG Metall NRW zeigen die Ergebnisse, dass die Beschäftigten keine pauschalen Sparappelle erwarten. Vielmehr benötigen die unterschiedlichen wirtschaftlichen Situationen in den Betrieben differenzierte tarifpolitische Antworten. Wo Unternehmen gut dastehen, erwarten die Beschäftigten eine faire Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg. In schwierigen Situationen stehen Beschäftigungs- und Standortsicherung im Vordergrund“, sagt Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW.
Weitere Zeitleiste:
23. September 2026: Forderungsbeschluss durch den Vorstand der IG Metall
7. Oktober 2026: Erste Verhandlung in NRW
31. Oktober 2026: Ende der Friedenspflicht