Weitere Impulse lieferten Mona Neubaur, Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, sowie Thorben Albrecht, Vorsitzender des DGB NRW.
Resolution an Ministerin Neubaur überreicht.
Im Rahmen des Industriegipfels überreichte Dinah Trompeter der Ministerin die Resolution der IG Metall Düsseldorf-Neuss und der DGB Region Düsseldorf-Bergisch Land.
Das Papier war bereits am 24. Juni 2026 von der Delegiertenversammlung der IG Metall Düsseldorf-Neuss beschlossen worden und wird von Betriebsräten und Vertrauensleuten aus rund 30 Unternehmen der Region Düsseldorf, Ratingen und Rhein-Kreis Neuss getragen.
Weitere Schwerpunkte
Ein Schwerpunkt des Industriegipfels lag auf den Auswirkungen von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und Energiepolitik auf die industrielle Entwicklung. Niklas Hoves von der TBS NRW beleuchtete die Anforderungen an Qualifizierung und Mitbestimmung beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Felix Fleckenstein, Energiepolitikexperte des DGB in Berlin, ordnete die energiepolitischen Herausforderungen für den Industriestandort Deutschland ein.
Mit großer Aufmerksamkeit wurde der Beitrag von Volker Backs, Geschäftsführer der Speira GmbH, verfolgt. Er schilderte die Herausforderungen der Aluminiumindustrie und machte deutlich, dass eine funktionierende Kreislaufwirtschaft nur dann gelingen könne, wenn strategisch wichtige Rohstoffe wie Aluminiumschrotte in Europa verbleiben und hier weiterverarbeitet werden.
Backs kritisierte zudem, dass der europäische CO₂-Grenzausgleichsmechanismus CBAM die aktuellen Probleme der Branche bislang nicht ausreichend löse. Gleichzeitig würdigte er das Engagement der Gewerkschaften für den Industriestandort Deutschland und forderte einen noch stärkeren industriepolitischen Einsatz auf europäischer Ebene.
Talkrunde aus der Praxis der Mitbestimmung
Im praxisorientierten Teil der Veranstaltung moderierte Jessica Worrings eine Talkrunde mit Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW, Heinz Höhner, Betriebsratsvorsitzender der Speira GmbH, Marco Kunkel, Betriebsratsvorsitzender bei Pierburg, sowie Özlem Yarar, Vizepräsidentin der Handwerkskammer Düsseldorf.
Die Diskussion machte deutlich, dass Nordrhein-Westfalen über erhebliche Innovationspotenziale verfügt, viele Entwicklungen jedoch nicht den Weg in die industrielle Serienfertigung finden. Als Ursachen wurden fehlende Finanzierungsmöglichkeiten, mangelnde Investitionssicherheit und unzureichend entwickelte Märkte benannt.
Kritisch diskutiert wurden dabei auch wechselnde politische Rahmenbedingungen, etwa bei der Elektromobilität. Solche Zickzack-Kurse erschwerten langfristige Investitionsentscheidungen und verzögerten den Aufbau neuer Märkte.
Darüber hinaus wurden Beispiele für Betriebs- und Prozessvereinbarungen vorgestellt, die Beschäftigten bei Eigentümerwechseln und Transformationsprozessen Sicherheit geben. Auch die Fachkräftesicherung spielte eine zentrale Rolle. Dabei wurde deutlich, dass Industrie und Handwerk gleichermaßen auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen sind, um die Transformation erfolgreich gestalten zu können.
Ein gemeinsames Fazit der Runde lautete: Mitbestimmung ist kein Hemmnis, sondern ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Zum Abschluss griff Dinah Trompeter die zentralen Inhalte der Resolution noch einmal auf. Im Mittelpunkt steht die Forderung nach mehr Wertschätzung für die Beschäftigten.
Die Resolution wendet sich ausdrücklich gegen politische Debatten, in denen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer pauschal für wirtschaftliche Probleme verantwortlich gemacht werden. Die Beschäftigten seien nicht das Problem der Transformation, sondern ihre wichtigste Voraussetzung.
Darüber hinaus fordert die Resolution Investitionen in Infrastruktur, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, eine bezahlbare und verlässliche Energieversorgung, den Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffwirtschaft, die Förderung von Innovationen, die Sicherung von Industrieflächen sowie eine europäische Rohstoffstrategie.
„Die Beschäftigten sind nicht das Problem der Transformation, sondern ihr entscheidender Erfolgsfaktor“, erklärte Dinah Trompeter.
Der Industriegipfel setzte damit ein klares Signal für eine aktive Industriepolitik in Nordrhein-Westfalen. Einigkeit bestand darüber, dass die industrielle Transformation nur gelingen kann, wenn Beschäftigte, Unternehmen, Sozialpartner und Politik gemeinsam Verantwortung übernehmen – für gute Arbeit, starke Standorte und eine zukunftsfähige Industrie.