Erste Hilfe für die Seele

Erste Hilfe für die Seele – Bericht zur Veranstaltung des Angestelltenausschusses zum psychischen Ersthelfer

Ersthelfer findet man in jedem Betrieb, der psychische Ersthelfer dagegen ist in Deutschland noch weitestgehend unbekannt. Michael Lücker ist psychischer Ersthelfer in „seinem“ Betrieb. Wie seine Aufgaben und sein Alltag sich dort gestalten, erläuterte er in der Veranstaltung „Erste Hilfe für die Seele – der psychische Ersthelfer im Betrieb“ am 11.8.2020 im großen Saal des IG Metall-Gebäudes in der Rossstr.94.

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz haben in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Das war für Michael Lücker Anlass und Grund genug, sich zum psychischen Ersthelfer (PEH) ausbilden zu lassen. Die Ausbildung selbst dauert nur ein paar Tage, aber sie kann und sollte, so Lücker, möglichst vertieft und erweitert werden.

Leider gibt es kaum gesetzliche Grundlagen für die Arbeit des psychischen Ersthelfers, weshalb es am besten ist, eine innerbetriebliche Regelung zu schaffen, sei es durch eine Betriebsvereinbarung oder bspw. durch eine verbindliche Absprache mit der Personalabteilung. Wichtig für die Rolle ist lt. Lücker die Befähigung zur Wahrnehmung psychischer Belastungen im Arbeitsalltag, denn betroffene Kollege*innen sind häufig nicht in der Lage, von selbst Hilfe einzufordern. Einfühlungsvermögen ist dabei eine ebenso wichtige Voraussetzung wie das Wissen um die korrekte Ansprache von Betroffenen. Der psychische Ersthelfer soll erste Anlaufstelle für Beschäftigte in einer seelischen Notlage sein, Zuhören und das Wahrnehmen der Bedürfnisse und Sorgen stehen an erster Stelle. Erst nachgeordnet sollte das Aufzeigen psychosozialer Angebote und von Hilfsnetzwerken erfolgen. Der PEH ist ein Laienhelfer; sehr wichtig ist deshalb das Wissen um die eigenen Grenzen, damit er sich nicht selbst psychisch ausbeutet. Der PEH sollte innerbetrieblich gut vernetzt sein, sei es mit Betriebsrat, -arzt, Schwerbehindertenvertreter, Personalabteilung, Sicherheitsfachkraft, zudem bieten externe Stellen wie Gewerkschaft und Krankenkassen Unterstützung.

Am Ende des Vortrags appellierte Michael Lücker an die Teilnehmer, sich für diese besondere Form der Ersten Hilfe in ihrem Betrieb stark zu machen oder sich sogar selbst dafür ausbilden zu lassen.

Die Teilnehmer der Veranstaltung, die erstmalig als Kombination aus Präsenz- und Videoveranstaltung durchgeführt wurde, dankten Michael Lücker für seine Informationen mit einem herzlichen Applaus.