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Metallnachrichten zur Tarifrunde M+E

DIE VIER BRINGT’S – Tarifkommission beschließt Forderung

In der zweiten Ausgabe der metallnachrichten dreht sich alles um die VIER.

Vier Tage, wo nötig; vier Prozent, wo möglich. Das ist – kurz gefasst – die zentrale Forderung der IG Metall NRW für die Tarifrunde 2021. Die Tarifforderung steht damit ganz im Zeichen von Beschäftigungs- und Einkommenssicherung.

Weitere Themen sind:

  • Das komplette NRW – Forderungspaket im Überblick
  • Fragen und Antworten zur
    • Vier-Tage-Woche
    • Zukunftstarifverträgen
    • Stärkung der Ausbildung und
    • Tarifauseinandersetzungen in Corona-Zeiten
  • Erste Ergebnisse der Beschäftigtenbefragung
  • Weiterer Fahrplan für die Tarifrunde

Die komplette Ausgabe findet ihr hier

 

Aktionsclip – Für unsere Zukunft bei Daimler

Für die IG Metall steht der Erhalt der Industriestrukturen im Mittelpunkt

Die Automobilindustrie steht mitten in einem tiefgreifenden Wandel. Transformation und Digitalisierung erzwingen Veränderungen bei Produkten und Verfahren, die Corona-Pandemie hat zudem einen tiefen Konjunktureinbruch ausgelöst. Diese strukturelle und konjunkturelle Doppelkrise bringt vor allem kleine und mittlere Zulieferer in Bedrängnis. Welche Wege aus dieser Krise herausführen, diskutieren am Dienstag Betriebsräte aus Zulieferunternehmen auf einer von der IG Metall und der Hans-Böckler-Stiftung gemeinsam ausgerichteten virtuellen Konferenz.

„Jetzt müssen die Weichen richtiggestellt werden“, fordert Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, anlässlich dieser Konferenz. „Für die IG Metall steht der Erhalt der Industriestrukturen im Mittelpunkt. Industrie ist nicht nur Motor für Innovation und Beschäftigung, die guten Entgelte sind auch der Nährboden unseres Wohlstandes. Dörrt dieser aus, bricht eine wichtige Basis zur Bewältigung des Klimawandels weg.“

Um die Transformation in der Automobilindustrie und insbesondere bei den Zulieferbetrieben zu stemmen und zu gestalten, hat die IG Metall Vorschläge unterbreitet, die drei Elemente enthalten: einen Transformationsfonds, die Best Owner Group und die Förderung von Transformationsclustern.

Der Transformationsfonds soll Zulieferern privates Kapital zur Eigenkapitalstützung zur Verfügung stellen. Ein solcher Fonds kann die finanzielle Lage stabilisieren, die Unternehmen vor Insolvenzen sichern und Chancen für Innovationen und Investitionen in neue Geschäftsmodelle und die hierfür notwendigen Investitionen in Entwicklung, Sachanlagen und Qualifikation ihrer Beschäftigten eröffnen. Gespeist werden könnten Transformationsfonds aus Mitteln der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder des Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung (KENFO) zu marktüblichen Konditionen. Der Fonds sollte aber auch offen sein für andere institutionelle Investoren, die eine nachhaltige Industrieentwicklung mit ihrem Engagement unterstützen wollen. Auch die Fahrzeughersteller sind hier nach Auffassung der IG Metall in der Pflicht, sich hier finanziell zu engagieren.

Bei der Best Owner Group geht es um die Beteiligungen an Zulieferbetrieben, die am Verbrenner hängen und die sich absehbar verkleinern müssen, da sie keine Produktalternativen haben. Doch selbst wenn der Verbrenner irgendwann einmal Geschichte sein sollte, gibt es noch über viele Jahre hinweg einen nachlaufenden Ersatzteilbedarf. Mit dem Kapital aus Pensionskassen, Versicherungen, Family Offices und Unternehmen, die im Rahmen dieses Modells bei der BOG einsteigen, werden die Zulieferer bis zum Auslaufen der Produktion von Verbrenner-Teilen professionell begleitet. Eine Transformation der Belegschaft kann so zum Beispiel über einen langen Zeitraum sozialverträglich geplant, Beschäftigte können für zukunftsfähige Tätigkeiten qualifiziert werden. Auch bei der BOG sind die OEMs, also die Hersteller, als Kunden der Zulieferer in der Pflicht. Sie sollen sich mit entsprechenden Mitteln in den Fonds einbringen und langfristige Abnahmeverträge garantieren. Zusätzlich sollte die Politik auch bei diesem Vorschlag prüfen, ob und wie sie Zugang zu KfW-Mitteln oder KENFO-Mitteln unterstützen, die in den Fonds fließen könnten.

Regionale Transformationcluster sind Element einer präventiven Strukturpolitik in Regionen, die überdurchschnittlich von Zulieferbetrieben geprägt sind. Die Transformation birgt die Gefahr, dass erfolgreiche Automobilcluster aus Zulieferern, Dienstleistern, Forschungseinrichtungen und Herstellern zerstört werden – mit gravierenden Folgen für Wertschöpfung und Beschäftigung in diesen Regionen. Voraussetzung für Transformationscluster ist, dass betriebliche und regionale Akteure kooperieren, um Wege zu finden, wie Industriearbeit gesichert werden kann. Die finanziellen Mittel dafür sollten von Bund und Ländern bereitgestellt werden. Hierzu kann ein Teil der beschlossenen zwei Milliarden Euro zur Förderung von Innovation im Bereich der Zulieferer aus dem im Juni beschlossenen Konjunkturpaket der Bundesregierung eingesetzt werden. Was für den Kohleausstieg galt, gilt hier auch für diese Regionen, die nur durch einen konsequenten Wandel ihrer industriellen Strukturen davor geschützt werden können, zu Armutsregionen zu werden.

In den 1800 Zulieferbetrieben sind etwa 310.000 Menschen beschäftigt. Sie erwirtschaften 70 Prozent der Wertschöpfung in der gesamten Automobilindustrie. 2019 lag der Branchenumsatz bei über 80 Milliarden Euro, mehr als die Hälfte davon entfiel auf das Inland. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist der Umsatz in 2020 dagegen um gut ein Viertel eingebrochen, der Auftragseingang hat sich deutlich reduziert.

 

Metallnachrichten zur Tarifrunde M+E

ZEIT UND GELD FÜR ZUKUNFT – DER STARTSCHUSS IST GEFALLEN!

In unserer ersten Ausgabe der metallnachrichten spricht Knut Giesler in einem Interview über die Vier-Tage-Woche und sperrige Arbeitgeber.

Weitere Themen sind:

  • IG Metall NRW tritt für eine optionale Vier-Tage-Woche ein
  • Beschäftigte sollen kürzer arbeiten können
  • So sichern wir Beschäftigung und bieten Perspektiven
  • Ein Teillohnausgleich muss sein
  • Tarifkommission stellt Weichen für Verhandlungen
  • Corona kriegt uns nicht klein

Die komplette Ausgabe findet ihr hier

Themenwoche Vertrauensleute vom 02. – 06. November 2020

Themenwoche Vertrauensleute vom 02. – 06. November 2020

Jetzt anmelden auf www.vertrauensleute.online.

Die bundesweite Vertrauensleutekonferenz der IG Metall findet dieses Jahr als digitale Themenwoche vom 2. bis 6. November statt. In Online-Seminaren erarbeiten die Vertrauensleute, wie sie für die anstehenden Konflikte in ihren Betrieben stärker werden und Beschäftigung sichern. Abends ist das Programm für alle Interessierten offen – unter anderem die Eröffnung durch die Zweite Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner und ein Webtalk mit dem Ersten Vorsitzenden Jörg Hofmann.Tagsüber bearbeiten die angemeldeten Vertrauensleute dann Themen wie Mitgliedergewinnung und Erschließung, die Arbeit in der Vertrauenskörperleitung (VKL), Angestelltenarbeit und die aktuelle Beschäftigtenbefragung der IG Metall.

Jetzt Ticket sichern! Die Onlineanmeldung ist freigeschaltet auf www.vertrauensleute.online.

Die IG Metall NRW hat das Programm um bezirksspezifische Themen ergänzt. Guckt auch mal bei uns vorbei und meldet euch zu den Veranstaltungen an:

https://www.igmetall-nrw.de/igm-nrw/themenwoche-vertrauensleute-2020/

https://www.youtube.com/watch?v=dO9HlCTUwUg&feature=youtu.be

Aufnahme von Tarifverhandlungen bei Netzwerk Services Deutschland GmbH

Am 28.August informierte die Geschäftsführung(GF) der Netzwerk Services Deutschland GmbH (NWSD) ihre Belegschaft darüber, dass sie Verhandlungen mit der IG Metall zu einem Haustarifvertrag aufnehmen werde.

Gleichzeitig hatte die GF dieses auch gegenüber der IG Metall erklärt und reagierte damit auf eine entsprechende Aufforderung der IG Metall. Forderungen zu einem Tarifvertrag wurden der NWSD schon im November letzten Jahres überreicht, die Geschäftsführung konnte sich aber nicht dazu entschließen und bot stattdessen unverbindliche Sondierungsgespräche an. Diese gestalteten sich jedoch äußerst zäh und wenig fruchtbar. Deshalb erklärte Anfang August die IGM der GF die Beendigung der Sondierung und forderte die Aufnahme von Tarifverhandlungen.

Die letzte Betriebsversammlung Mitte August brachte dann den Durchbruch. Die IG Metall kündigte für den Fall der Verweigerung von Tarifverhandlungen Warnstreiks an. In mehreren IGM-Mitgliederversammlungen hatte man sich zuvor auf diese Vorgehensweise verständigt. Im Falle der Absage hätte es zeitnah eine erste Warnstreikaktion gegeben. Kurz vor Ablauf der Erklärungsfrist stimmte die GF nun der Aufnahme von Tarifverhandlungen zu.

Das bedeutet allerdings noch lange nicht, dass der Abschluss eines Tarifvertrags in Sichtweite ist. Die Positionen liegen weit auseinander. Aber es gibt einen ersten Verhandlungstermin am 6. Oktober.

Für den Großteil der Beschäftigten gelten aufgrund von Betriebsübergängen noch zwei unterschiedliche Tarifverträge, allerdings in der Nachwirkung.

 

Transformation der Automobilindustrie: Vorschläge der IG Metall

Deutschland wurde von Corona in einem ohnehin herausfordernden und tiefgehenden Wandel erwischt. Die gesamte Automobilbranche muss die gesetzten Klimaziele erreichen, den Wandel der Fahrzeugindustrie hin zu alternativen Antrieben und Digitalisierung von Produkt und Produktion bewältigen und nun auch noch die Folgen der Corona-Pandemie verdauen. Insbesondere in den Betrieben der Automobilzuliefererindustrie sind die Folgen zu spüren. Um die Transformation nicht zu gefährden, sondern trotz Krise und Corona-Folgen zu gestalten, hat die IG Metall den Transformationsfonds, die Best Owner Group (BOG) sowie die Förderung regionaler Transformationscluster vorgeschlagen bzw. in die Umsetzung gebracht.

Eine Zusammenfassung aller unserer Vorschläge findet ihr hier

Mit Abstand wiedergewählt

Karsten Kaus und Volker Consoir führen die IG Metall für weitere 4 Jahre

Das alte Führungsduo ist das neue: Stellvertretend für über 22.000 Mitglieder haben die Delegierten der IG Metall Düsseldorf-Neuss eine neue Geschäftsführung und einen neuen Ortsvorstand gewählt.

Der erste Bevollmächtigte der IG Metall Düsseldorf-Neuss, Karsten Kaus und der zweite Bevollmächtigte und Kassierer, Volker Consoir, erhielten jeweils 97% der Stimmen der anwesenden Delegierten.

Wegen der Corona-Pandemie musste die ursprünglich für März geplante konstituierende Delegiertenversammlung verschoben werden und konnte jetzt unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln im traditionsreichen Vallourec Werk in Reisholz durchgeführt werden. Es wurden zudem die 13 Beisitzerinnen und Beisitzer für das Leitungsgremium vor Ort, den Ortsvorstand, wieder- und neugewählt: Klaus Basner, Christiane Cichy, Metin Duman, Klaus Esser, Wolfgang Freitag, Harry Hansen, Reingard Hertzler, Udo Hohenberg, Manuela Kerfers, Ibrahim Koc, Frank Lindenau, Christian Rasper und Alexander Szlieszus werden in den kommenden 4 Jahren zusammen mit den beiden Geschäftsführern die Geschicke der Geschäftsstelle in Düsseldorf-Neuss lenken.

Alte gehen – Neue kommen.
Auf der Delegiertenversammlung wurde neben dem neugewählten Leitungsgremium vor allem auch den langjährig aktiven Mitgliedern gedankt. Nach mehr als 20 Jahren Mitgliedschaft im Ortsvorstand und 18 Jahren als Revisor verabschiedete die Delegiertenversammlung unter anderem Peter Zeise von der Siemens AG in Düsseldorf, der sein Amt altersbedingt an den Gewerkschaftsnachwuchs abgibt. Auch Bettina Schagun von der Dr. Sommer Werkstoffprüfservice GmbH und Ayhan Üstün Betriebsratsvorsitzender von Vallourec in Reisholz wurden als langjährige Ortsvorstandsmitglieder gebührend verabschiedet.

Geschäftsführung sieht mutig in die Zukunft.
Die IG Metall steht vor großen Aufgaben. Die Corona-Krise wirkt derzeit nicht nur in der Automobil- und Zuliefererindustrie wie ein Brandbeschleuniger für die Transformation sondern in allen Branchen und Industriezweigen. Für das wiedergewählte Führungsduo steht vor allem die Weiterentwicklung der gewerkschaftlichen Durchsetzungsfähigkeit im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Auch die Erhöhung der Tarifbindung in den Metallbetrieben der Region wird ebenso Schwerpunkt der nächsten Amtszeit.

„Wir stehen vor großen Herausforderungen, es geht um die nachhaltige Gestaltung der Transformation – Digitalisierung, Energie- und Mobilitätswende – aber auch um die Sicherung von Industriearbeitsplätzen in der Region. In den Betrieben kommt die Krise immer heftiger an. Wir müssen alles dafür tun, dass sich die Arbeitgeber nicht aus ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stehlen und Corona dazu nutzen, die betrieblichen Standards zu senken, Tarifverträge zu unterlaufen oder sich gar von Beschäftigten trennen“, so Karsten Kaus. „Durch die Corona-Krise haben sich die Fragestellungen in welcher Welt wir zukünftig arbeiten und leben wollen, eher verschärft“, ergänzt der 2. Bevollmächtigte Volker Consoir.

Keine Krisenbewältigung auf Kosten der Beschäftigten

Die IG Metall NRW hat in dieser Woche zu drei ungewöhnlichen Funktionärskonferenzen eingeladen. In Autokinos in Mönchengladbach, Bielefeld und Dortmund trafen sich insgesamt über 1.000 Aktive. Thema der Veranstaltungen: Wie kommen wir stark aus der Krise?

Die Pandemie hat die Wirtschaft und die Arbeitswelt fest im Griff. In vielen Betrieben stehen wir vor einer schwierigen Zeit. Insolvenzen drohen, Arbeits- und Ausbildungsplätze könnten wegfallen oder tarifliche Standards angegriffen werden. Zudem sind die Herausforderungen, die durch Klimawandel, Mobilitätswende und Digitalisierung für die Industrie bestehen, nicht vom Tisch. Im Gegenteil. An vielen Stellen hat die Corona-Pandemie zu einer Beschleunigung der Transformation geführt.

Angesichts dieser Situation hat die IG Metall NRW in den drei Funktionärskonferenzen deutlich gemacht, dass sie Zukunft gestalten und einen Kahlschlag auf Kosten der Beschäftigten verhindern will.

Für uns als IG Metallerinnen und Metaller ist es selbstverständlich, dass wir in den Unternehmen und Betrieben, in denen es reale Probleme gibt, bereit sind, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Genauso klar ist aber auch, dass wir uns wehren, wenn die Situation ausgenutzt wird und billige Mitnahmeeffekte erzielt werden sollen. Wir lassen es nicht zu, dass gute Arbeits- und Lebensbedingungen zurückgedreht werden. Das würde die Lebenssituation der Beschäftigten, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig schädigen. Für uns gilt dabei: Wir wollen gemeinsam „Stark aus der Krise“ kommen. Die Corona- Krise darf nicht zu einem massiven Jobabbau führen. Das würde die Lebenssituation der Beschäftigten, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig schädigen.

Unsere Forderungen haben wir in einem gemeinsamen Positionspapier festgehalten. Das Positionspapier findest Du hier

Als Dankeschön für den Einsatz von den Betriebsratsmitgliedern und Vertrauensleute in den letzten Monaten endeten die Veranstaltungen im Autokino jeweils mit einem Konzert von Joris.

Betriebsräte und Vertrauensleute haben in den letzten Monaten enorm viel geleistet, damit die Pandemie sich nicht noch negativer auf die Beschäftigten auswirkt. Sie haben sich um deren Sorgen und Nöte gekümmert, obwohl sie vielleicht manchmal selbst nicht wussten, wie sie die vielen neuen Herausforderungen im Arbeits- und auch im Privatleben meistern sollen. Dafür galt es einfach mal Danke zu sagen.

Knut Giesler – Bezirksleiter der IG Metall NRW- mahnte zudem, dass alleine der betriebs- und tarifpolitische Einsatz nicht ausreicht, um alle Probleme, die in der Krise deutlich wurden, zu lösen: „Die Politik hat viele richtige Maßnahmen schnell ergriffen, um die negativen Folgen der Pandemie so gering wie möglich zu halten. Dennoch haben wir auch gesehen, wo es in diesem Land hakt. Das gilt für die Bildungs- und Familienpolitik, für die dramatische Unterfinanzierung der Kommunen bis hin zu einer gerechten und ausreichenden Finanzierung eines handlungsfähigen Staates. Hier müssen die Lehren gezogen und manche ideologische Scheuklappe abgelegt werden. Und es gilt zu prüfen, ob Konjunkturpakete der Beschäftigung dienen. Andernfalls muss auch an dieser Stelle nachgeschärft werden.“

Erste Hilfe für die Seele

Erste Hilfe für die Seele – Bericht zur Veranstaltung des Angestelltenausschusses zum psychischen Ersthelfer

Ersthelfer findet man in jedem Betrieb, der psychische Ersthelfer dagegen ist in Deutschland noch weitestgehend unbekannt. Michael Lücker ist psychischer Ersthelfer in „seinem“ Betrieb. Wie seine Aufgaben und sein Alltag sich dort gestalten, erläuterte er in der Veranstaltung „Erste Hilfe für die Seele – der psychische Ersthelfer im Betrieb“ am 11.8.2020 im großen Saal des IG Metall-Gebäudes in der Rossstr.94.

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz haben in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Das war für Michael Lücker Anlass und Grund genug, sich zum psychischen Ersthelfer (PEH) ausbilden zu lassen. Die Ausbildung selbst dauert nur ein paar Tage, aber sie kann und sollte, so Lücker, möglichst vertieft und erweitert werden.

Leider gibt es kaum gesetzliche Grundlagen für die Arbeit des psychischen Ersthelfers, weshalb es am besten ist, eine innerbetriebliche Regelung zu schaffen, sei es durch eine Betriebsvereinbarung oder bspw. durch eine verbindliche Absprache mit der Personalabteilung. Wichtig für die Rolle ist lt. Lücker die Befähigung zur Wahrnehmung psychischer Belastungen im Arbeitsalltag, denn betroffene Kollege*innen sind häufig nicht in der Lage, von selbst Hilfe einzufordern. Einfühlungsvermögen ist dabei eine ebenso wichtige Voraussetzung wie das Wissen um die korrekte Ansprache von Betroffenen. Der psychische Ersthelfer soll erste Anlaufstelle für Beschäftigte in einer seelischen Notlage sein, Zuhören und das Wahrnehmen der Bedürfnisse und Sorgen stehen an erster Stelle. Erst nachgeordnet sollte das Aufzeigen psychosozialer Angebote und von Hilfsnetzwerken erfolgen. Der PEH ist ein Laienhelfer; sehr wichtig ist deshalb das Wissen um die eigenen Grenzen, damit er sich nicht selbst psychisch ausbeutet. Der PEH sollte innerbetrieblich gut vernetzt sein, sei es mit Betriebsrat, -arzt, Schwerbehindertenvertreter, Personalabteilung, Sicherheitsfachkraft, zudem bieten externe Stellen wie Gewerkschaft und Krankenkassen Unterstützung.

Am Ende des Vortrags appellierte Michael Lücker an die Teilnehmer, sich für diese besondere Form der Ersten Hilfe in ihrem Betrieb stark zu machen oder sich sogar selbst dafür ausbilden zu lassen.

Die Teilnehmer der Veranstaltung, die erstmalig als Kombination aus Präsenz- und Videoveranstaltung durchgeführt wurde, dankten Michael Lücker für seine Informationen mit einem herzlichen Applaus.