Neuigkeiten, die nur Neuss betreffen

So nicht! – Betriebsrat und IG Metall fordern Zukunftskonzept für Hydro

Auf die überraschende Ankündigung des Hydro-Managements letzte Woche, sich komplett aus dem Foliengeschäft zurückziehen zu wollen, folgte jetzt eine Mitarbeiterversammlung, die in Aufregung und Chaos endete.

Tausend Beschäftigte waren anwesend und erlebten, wie ein ahnungsloses Management die Schließung des Folien-Hauptbetriebs verkündet. Einfach so. Ohne Alternativkonzepte geprüft zu haben und ohne Rücksicht auf die Betroffenen und ihre Familien.

Die Fragen der tausend Beschäftigten bleiben größtenteils einfach unbeantwortet und die meisten verlassen fassungslos und wütend die Versammlung. Das Unternehmen hat versäumt, in die Zukunft zu investieren, und die Beschäftigten sollen diese Fehler jetzt ausbaden, lautet das einhellige enttäuschte Fazit.

„Wir lassen uns nicht wegschmeißen wie eine ausgepresste Zitrone“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Heinz Höhner. Und Andrea Büttner, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, ergänzt „Jetzt sind wir alle gefordert. Die betroffenen Kolleginnen und Kollegen haben unsere Solidarität verdient.“

Statt sich mit der Situation abzufinden, lassen Betriebsrat und IG Metall jetzt die Aussagen
des Managements von einer eigenen Unternehmensberatung auf Plausibilität prüfen. Sie fordern ein Zukunftskonzept für den Standort mit Investitionen und Entwicklung neuer Produkte.

Das Medienecho über die Schließung und das verantwortungslose Vorgehen des Hydro-Managements ist groß. Zu den vielen Solidaritätsbekundungen von Betriebsräten aus der Region und ganz Deutschland hat die geplante Schließung des Folien-Hauptbetriebes am Standort Grevenbroich auch die Lokalpolitik auf den Plan gebracht.

Neben den beiden Bürgermeistern der Städte Grevenbroich und Bedburg, Klaus Krützen und Sascha Solbach, hat sich auch der SPD-Fraktionsvorsitzende der Stadt Grevenbroich, Rainer Thiel, die aktuelle Situation ausführlich von den Arbeitnehmervertretern erläutern lassen. Alle drei haben ihre Unterstützung zugesagt.

Der Betriebsrat ist kämpferisch und will weiter gemeinsam mit der IG Metall für jeden Arbeitsplatz kämpfen. Durch regelmäßige Infoveranstaltungen und Flugblattverteilungen wollen sie auch die Beschäftigten jederzeit auf dem Laufenden halten. Das erste Flugblatt mit aktuellen Informationen findest Du hier

Aluminiumindustrie im Dialog mit Kommission für „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“

Am vergangenen Freitag trafen sich die IG Metall, Betriebsräte von Hydro Aluminium und AluNorf, sowie weitere Vertreter der energieintensiven Aluminiumindustrie mit Stefan Körzell, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes und Mitglied der Kommission für „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ im Rheinwerk von Hydro Aluminium und dem benachbarten Walzwerk der AluNorf in Neuss zum Dialog.

Gemeinsam diskutierten IG Metall, Betriebsräte und die anwesenden Branchenvertreter mit Körzell, und ihrem Gastgeber Volker Backs (Geschäftsführer Hydro Aluminium Deutschland), über den Erhalt der Wertschöpfungsketten in Deutschland und Europa und den Beitrag zum Klimaschutz.

Die Teilnehmer konnten einen Eindruck von stromintensiver Produktion in Deutschland gewinnen und dabei die Vorzüge integrierter Wertschöpfungsketten erleben. Bezahlbare, sichere Energieversorgung, kurze Wege zwischen den Unternehmen und qualifizierte Beschäftigte sind dabei wichtige Standortvorteile.

Hintergrund: Die Bildung der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ (WSB) wurde im letzten Koalitionsvertrag beschlossen. Die landläufig zu Unrecht als „Kohlekommission“ betitelte Strukturkommission, hat dabei nicht nur die Aufgabe bis Dezember 2018 konkrete Vorschläge für den Ausstieg aus der Kohleverstromung zu erarbeiten, sondern soll vielmehr den dadurch bedingten Strukturwandel aktiv und umfassend begleiten, um so Wachstum und Beschäftigung in den betroffenen Regionen zu fördern und zu stärken.

Die Anwesenden machten deutlich, dass gut bezahlte Tarifarbeitsplätze in der Industrie erhalten bleiben müssen. Und klar ist, um weiterhin qualitativ hochwertige Industriearbeitsplätze anbieten zu können, wird die Industrie in Deutschland benötigt. Energiepolitik ist immer auch Industriepolitik. Ziel muss daher sein: Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland auch unter den Bedingungen des Klimaschutzes zu erhalten. „Für den Wohlstand in Deutschland sind qualitativ hochwertige Arbeitsplätze existentiell“, unterstrich Bernd Lauenroth (Gewerkschaftssekretär IG Metall Vorstand und stellv. Aufsichtsratsvorsitzender Hydro Aluminium Deutschland GmbH).

„Wir dürfen nicht in die Falle laufen und industrielle Wertschöpfung gegen Klimaschutzanforderungen ausspielen, sonst verlieren am Ende Beschäftigte und Umwelt. Am Beispiel der Aluminiumerzeugung sieht man, wie wichtig es ist, dass wir in Deutschland eine funktionierende Grundstoffproduktion haben. Ohne den Werkstoff Aluminium wird die Vision von der Elektromobilität oder dem Netzausbau schnell zur Luftnummer. Es gilt, unsere Kompetenzen zu erhalten und in innovative Technologien und Anwendungen zu investieren. An dieser Stelle muss die Strukturwandelkommission Antworten liefern.“, so Körzell.

„Betrachtet man die industrielle Struktur im Wirtschaftsraum Düsseldorf-Neuss, zeigt sich auch hier die große Bedeutung der Aluminiumindustrie. Über 5.000 gut bezahlte, hoch qualifizierte und mit vorbildlichen Arbeitsbedingungen ausgestattete Arbeitsplätze im Organisationsbereich der IG Metall sind zu schützen“, machte Karsten Kaus, Geschäftsführer der IG Metall Düsseldorf-Neuss deutlich.

Die IG Metall in Düsseldorf-Neuss und die Betriebsräte der Aluminiumindustrie in der Region stehen für gute Arbeitsplätze und einen starken Industriestandort. Die Aluminiumindustrie ist unverzichtbarer Teil einer zukunftsorientierten und innovativen Wirtschaft in der Region. Sie ist technologisch und qualitativ mit ihren Produkten und mit ihren qualifizierten Beschäftigten gut aufgestellt.

Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Aluminiumindustrie muss daher auch in der Kommission in hohem Maße mitberücksichtigt werden und die Auswirkungen der zu treffenden Entscheidungen auf die energieintensiven Industrien sowie die nachgelagerten Wertschöpfungsketten müssen im Vorfeld geprüft werden.

Der im Rahmen der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ geplante Kohleausstieg kann erhebliche negative Auswirkungen auf Stromkosten und Versorgungsstabilität energieintensiver Industrien wie Aluminium aber auch Stahl haben. Deshalb fordern wir für alle Empfehlungen der Kommission eine Folgeabschätzung. Insbesondere um die Strompreiseffekte, die von einem Kohleausstieg ausgehen, und die Auswirkungen für die nachgelagerten Wertschöpfungsketten abschätzen zu können.

Im Anschluss an die Diskussionsrunde konnten sich die Teilnehmer bei Werksführungen durch das Rheinwerk von Hydro Aluminium und dem benachbarten Walzwerk der AluNorf einen eigenen Eindruck verschaffen, wie industrielle Wertschöpfung entsteht und Kreislaufwirtschaft bzw. Recycling am Beispiel Aluminium funktioniert.