Neuigkeiten, die das Handwerk betreffen.

Tag des Handwerks: IG Metall fordert bessere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen

Die IG Metall fordert vor dem Hintergrund von 200.000 fehlenden Fachkräften und 20.000 unbesetzten Ausbildungsstellen bessere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen im Handwerk. „Durch die Weigerung vieler Arbeitgeber Tariflöhne zu zahlen, hat das Handwerk stark an Attraktivität eingebüßt. In der Branche arbeiten nur noch knapp 30 Prozent der Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben. Zwei Drittel der jungen Gesellen und Gesellinnen wandern nach ihrer Ausbildung in die Industrie und in andere Wirtschaftszweige ab. Das führt zu hausgemachtem Fachkräftemangel und unzufriedenen Kunden durch überlange Wartezeiten von mittlerweile bis zu 13 Wochen“ sagte Ralf Kutzner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, am Freitag in Frankfurt zum Tag des Handwerks am 15. September.

Kutzner forderte Verbände und Innungen auf, dem Bekenntnis zur Tarifpartnerschaft endlich auch Taten folgen zu lassen. „Nur mit Tarifbindung und Mitbestimmung können die Handwerksbetriebe die bedrohliche Fachkräftelücke schließen“, sagte Kutzner. Die Rechnung, sich mit niedrigen Löhnen einen Vorteil zu verschaffen, gehe nicht auf. „Die Flucht aus Tarifverträgen führt zu einem ruinösen Unterbietungswettbewerb zu Lasten der Beschäftigten und der Qualität“, kritisierte der Gewerkschafter. „Nur mit guten Arbeitsbedingungen, Flächentarifverträgen, mit Beteiligung sowie attraktiver Fort- und Weiterbildung kann sich das Handwerk im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter besser behaupten.“

Innovative Tarifverträge im Handwerk seien möglich. Das zeige der kürzlich von der IG Metall Niedersachsen für 40.000 Beschäftigte im Metallhandwerk abgeschlossene Tarifvertrag. „Erstmals verpflichten sich hier die Arbeitgeber, für Beschäftigte ab 50 Jahre jeden Monat 50 Euro extra in die Rentenkasse zu zahlen, um damit eine höhere Rente oder einen flexibleren Renteneintritt zu ermöglichen“, sagte Kutzner.

Der Gewerkschafter kritisierte die hessischen Arbeitgeber des Kfz-Handwerks als Negativbeispiel. „Sie wollten im vergangenen Jahr Meister der flächendeckenden Tarifflucht werden. Der Landesinnungsverband war über Nacht mit seinen fast 4.000 Betrieben aus der Tarifbindung ausgestiegen. Erst nach viel Druck durch die Beschäftigen konnte bisher die Tarifbindung für immerhin 12.000 Beschäftigte der hessischen Kfz-Betriebe wieder hergestellt werden.“

Kutzner forderte vom Gesetzgeber Maßnahmen, um die Tarifbindung im Handwerk zu stärken. „Die Erosion der Tarifbindung im Handwerk hat mittlerweile bedrohliche Maße angenommen. In der aktuellen Diskussion um die Änderung der Handwerksordnung zur Wiedereinführung der Meisterpflicht in mehreren Handwerksberufen muss auch die Stärkung der Tarifbindung auf den Tisch. Wir brauchen kein Flickwerk, sondern einen verbindlichen Ordnungsrahmen aus einem Guss“, sagte Kutzner.

Tarifverhandlungen bei Gottfried Schultz SE starten

Die Weichen für die anstehenden Verhandlungen über den Entgelttarifvertrag bei der Gottfried Schutz Automobilhandels SE sind erfolgreich gestellt!

Nachdem die Tarifkommissionsmitglieder aus allen Gottfried Schultz SE-Standorten bereits Ende März einstimmig die Kündigung des Entgelttarifvertrages zum 30. Juni 2018 beschlossen haben, haben sie nun auch eine 8-köpfige Verhandlungskommission aus ihren Reihen gebildet.

Der Auftrag der Verhandlungskommission ist klar: die Beschäftigten fordern vor allem keine lange Laufzeit des Entgelttarifvertrages, keine Änderung des Manteltarifvertrages und weder Verzicht auf Arbeitszeitverkürzung oder Urlaub. Es werden schwierige Gespräche mit der Unternehmensführung erwartet, aber die Verhandlungskommission ist bereit für zügige, konstruktive Gespräche.

Der erste Verhandlungstermin wird in den kommenden Tagen bekannt gegeben. Über den Verlauf der Verhandlungen werden wir jeweils berichten.

Ein kleiner Beitrag für ein Dach über dem Kopf

Kurz vor Weihnachten löst die IG Metall Düsseldorf-Neuss ihr Versprechen ein, das sie mit der Beschäftigtenbefragung gegeben hat: Für jeden ausgefüllten Fragebogen spendet sie einen Euro. Insgesamt gaben knapp 7.000 Beschäftigte ihre Fragebögen ab, was bedeutet, dass knapp 7.000 Euro an sechs verschiedene Einrichtungen gespendet werden.

von links nach rechts: Norbert Schulz, Marion Peiffer-Meyer, Magdalene Risch, Wehwalt Mason

Die erste Spendenübergabe fand am vergangenen Donnerstag beim Asphalt e.V. auf der Jägerstraße in Düsseldorf statt. Die Mitglieder aus dem Arbeitskreis Handwerk konnten hier ihren Scheck über 1.000 Euro an Magdalena Risch, die seit vielen Jahren hauptamtlich für den Verein arbeitet, übergeben. „Es ist schön, dass so viele Menschen den Wert unserer Arbeit erkennen und uns mit Spendengeldern unterstützen, damit wir unserer Arbeit erfolgreich weiter führen können“, bedankte sich Frau Risch im Anschluss an die Übergabe.

Der Asphalt e.V. bietet wohnungslosen Menschen und jenen Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind seit 1995 mehr als nur traditionelle Wohnungslosenhilfe. Als Herausgeber der Obdachlosenzeitung fiftyfifty, die durch bedürftige Menschen verkauft wird und deren Verkaufserlös zur Hälfte direkt bei den Verkäufern bleibt, bieten sie den Verkäufern zusätzlich Perspektivmöglichkeiten sich selbst gegen Armut und Ausgrenzung zu stellen.

Zudem konnte der Verein in den letzten beiden Jahren Wohnraum für insgesamt 48 obdachlose Menschen in Düsseldorf schaffen.

„Das Bemerkenswerte an dem Konzept ist, dass der Mensch und das Recht auf Wohnung hier immer das Wichtigste sind. Ich habe den Eindruck, dass unsere Spende am richtigen Platz ist und werde in Zukunft in unserer Stadt genauer hinsehen, wenn es um wohnungslose Menschen geht.“, fasst Marion Pfeiffer-Meyer (Mitglied des Arbeitskreises Handwerk) ihre Eindrücke zusammen.

Für alle, die mehr über Asphalt e.V. wissen wollen: http://www.fiftyfifty-galerie.de

Faire Tarifstandards sind Voraussetzung für die Zukunft des Handwerks

Sprockhövel – Mehr als 100 Betriebsrätinnen und Betriebsräte aus den verschiedenen Handwerksbetrieben in Nordrhein-Westfalen nehmen an der IG-Metall Handwerkskonferenz teil. Die betrieblichen Interessenvertreterinnen und –vertreter aus den unterschiedlichen Gewerken, unter anderem Elektro-, KFZ-, Schlosser- und Landmaschinenhandwerk, stellen sich den betrieblichen und tarifpolitischen Herausforderungen im Handwerk. Weiterlesen