Hydro streicht hunderte Stellen in Grevenbroich

Paukenschlag vor der Spätschicht: Aus den Medien mussten die Beschäftigten gestern Abend erfahren, dass Hydro Aluminium Rolled Products am Standort in Grevenbroich mehrere hundert Stellen streichen will!

Für die Belegschaft war die Nachricht ein großer Schock: „Eine solche Stimmung habe ich noch nicht erlebt, die Mitarbeiter verstehen die Welt nicht mehr – die Wut und Angst ist groß“, sagt Andrea Büttner – stellvertretende Vorsitzende des Betriebsrats in Grevenbroich. Die Hydro-Konzernleitung hatte kurz zuvor verlautbaren lassen, dass bis zu 735 Vollzeitstellen gestrichen werden sollen. Der Standort Grevenbroich wird dabei laut Konzern mit einem Großteil des Stellenabbaus belastet. Der Betriebsrat geht davon aus, dass an die 500 Stellen in Grevenbroich – und damit gut ein Viertel der Beschäftigten – gestrichen werden.

Als Grund für den massiven Stellenabbau gibt Hydro an, dass das Walzwerkgeschäft in den zurückliegenden Jahren schlechte finanzielle Ergebnisse gebracht hat. Durch die angekündigten Restrukturierungsmaßnahmen sollen jetzt bis zu 60 Millionen Euro Personalkosten eingespart werden. Weiter kündigten sie an, den Ausstieg aus dem Veredelungsgeschäft in der Folie zum 31. Dezember dieses Jahres zu vollziehen und sich zukünftig noch stärker auf die Wachstumsmärkte Automobil und Getränkedosen zu konzentrieren.

Betriebsrat und IG Metall fordern Konzepte

Volker Consoir, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Düsseldorf-Neuss, sagt zu den gestrigen überraschenden Ankündigungen: „Mit dem angekündigten Stellenabbau bei Hydro-Aluminium knickt das Unternehmen vor den kurzfristigen Erwartungen der Anteilseigner und Finanzmärkte ein. Anstatt alternative Konzepte für die Zukunftsfähigkeit des Folien-Hauptbetriebs vorzulegen, will das Management an der Personalkostenschraube drehen, um kurzfristig die Marge zu erhöhen. Dieses Vorgehen ist für die Beschäftigten und die IG Metall inakzeptabel. Auch bei Hydro-Aluminium muss gelten: Mensch vor Marge. Darum werden wir gemeinsam mit dem Betriebsrat die Plausibilität der angekündigten Maßnahmen prüfen und fordern vom Management Alternativkonzepte, die Arbeitsplätze sichern.“ Und auch Heinz Höhner, Betriebsratsvorsitzender am Standort Grevenbroich, macht klar: „Als Betriebsrat reicht uns das nicht. Wir kämpfen, wir werden alles tun, um jeden Arbeitsplatz zu erhalten. Wir fordern Perspektiven, Visionen und neue Produkte“.