Zeit statt Geld – Viele Metall-Beschäftigte haben Interesse an Tarifregeln für mehr freie Tage

Beschäftigte der heimischen Metall- und Elektroindustrie zeigen großes Interesse an neuen Möglichkeiten, im kommenden Jahr mehr freie Tage zu haben.

„Wir haben viele Nachfragen zur tariflichen Freistellungszeit“, sagt Karsten Kaus, Geschäftsführer der IG Metall Düsseldorf-Neuss. „Viele Beschäftigte informieren sich derzeit bei unseren Betriebsräten, Vertrauensleuten und in unserer Geschäftsstelle.“ Insbesondere Schichtarbeiter wünschen sich demnach Entlastung.

Bis Ende Oktober können Beschäftigte entscheiden, ob sie für das kommende Jahr acht zusätzliche freie Tage beantragen. Die freien Tage bekämen sie statt eines tariflichen Zusatzgeldes, das im kommenden Sommer ausgezahlt würde. „In vielen Betrieben und Familien wird das Thema gerade diskutiert“, sagt Volker Consoir, Zweiter Bevollmächtigte der IG Metall Düsseldorf-Neuss. „Viele Beschäftigte erwägen derzeit, die tarifliche Freistellungszeit zu nutzen. Bei der Firma AluNorf in Neuss haben von ca. 2.300 Beschäftigten heute schon rund 900 Beschäftigte einen Antrag auf tariflichen Freistellungzeit für 2019 eingereicht, um nur ein Beispiel zu nennen“

Die neuen Regelungen sehen vor, dass Beschäftigte beruflich kürzertreten können, etwa wenn Familienaufgaben es verlangen. Die Regelungen gelten für Beschäftigte mit Kindern unter acht Jahren, für Beschäftigte mit zu pflegenden Angehörigen und – wegen der großen Belastung – für Beschäftigte in Schichtarbeit. „Wir stellen fest, dass viele Beschäftigte in Schichtarbeit sich zunehmend belastet fühlen. Sie möchten darum Zeit statt Geld“, berichtet der Erste Bevollmächtigte.

Die tariflichen Regelungen waren im Frühjahr dank massiver Warnstreiks der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie erkämpft worden. In den heimischen Betrieben hatten rund 14.500 Beschäftigte die Arbeit zeitweise niedergelegt. „Wie wir jetzt sehen, hat sich der Kampf gelohnt“, sagt Volker Consoir. „Mit dem Tarifabschluss ist uns als IG Metall der Einstieg in eine neue, familienfreundliche Arbeitszeit gelungen. Die tarifliche Freistellungszeit trifft den Nerv der Zeit.“

 

Den Antrag für die Freistellungstage findest Du hier

Delegiertenversammlung verabschiedet Positionspapier für Gute Arbeit in der energieintensiven Industrie

Die gestrige Delegiertenversammlung stand ganz im Zeichen der energieintensiven Aluminium- und Stahlindustrie.

In der Region Düsseldorf-Neuss sind im Organisationsbereich der IG Metall derzeit rund 8.000 Menschen beschäftigt. Diese Arbeitsplätze sind aufgrund der derzeitigen energiepolitischen Entscheidungen jedoch stark gefährdet. Der aktuell geforderte Kohleausstieg bis 2020 und ein verschärfter europäischer Emissionshandel würden das sofortige Aus für die Aluminium- und Stahlwerke hier in der Region führen.

Heinz Höhner, Betriebsratsvorsitzender der Hydro Aluminium Rolled Products GmbH, erklärte den Anwesenden in seinem Vortrag sehr anschaulich, dass die Aluminiumindustrie noch über 2020 hinaus auf die Kohleverstromung angewiesen ist und zeigte gleichzeitig auf, was bereits heute alles unternommen wird, um die CO2-Belastungen einzudämmen. Gleichzeitig unterstrich er mit seinen Ausführungen die Wichtigkeit geschlossener Wertschöpfungsketten für den Industriestandort Deutschland und die Region. Denn nur so können gute Industriearbeitsplätze und eine nachhaltige Entwicklung gesichert werden.

Höhner stellte zudem heraus, dass die Aluminiumindustrie nicht Teil des Problems der hohen CO2-Belastungen ist, sondern durch gezielte Forschung und Investitionen in die CO2-Reduzierung bereits heute schon vielseitige Lösungen bietet.

In der anschließenden Diskussionsrunde zum Thema, diskutierten neben Heinz Höhner noch Heiko Reese, Leiter des IG Metall Stahlbüros, Daniel Rinkert, SPD Kreisvorsitzender des Rhein-Kreis Neuss und Volker Consoir, Mitglied des Aufsichtsrats bei der Hydro Aluminium Rolled Products GmbH, mit den Delegierten.

Heiko Reese stellte klar, dass es bei der ganzen Diskussion nicht darum ginge die Alt-Industrien zu retten, sondern zu transformieren. Und damit innovative und technologiegetriebene Industrien zu unterstützen. Reese machte zudem deutlich, dass eine Verlagerung der Stahlproduktion in Länder wie beispielsweise China, in denen Klimaschutz und Arbeitnehmerrechte nur eine untergeordnete bis gar keine Rolle spielen, nicht mehr als eine Mogelpackung sind und nicht zur Lösung der Klima- und Umweltprobleme beitragen werden.

Daniel Rinkert, hob in der Diskussion hervor wie wichtig der Dialog mit der Politik ist. Er machte deutlich, dass es für den Erhalt der energieintensiven Industrien und Wertschöpfungsketten wichtig ist, dass sich die Unternehmen auf verlässliche und belastbare Zusagen der Politik einstellen können. Investitionen in die Zukunft für den Erhalt von Arbeitsplätzen und zum Schutz des Klimas können nur unter sicheren Rahmenbindungen getätigt werden.

Volker Consoir unterstrich noch einmal, dass der Klimaschutz in der Aluminiumindustrie seit jeher eine wichtige Rolle spielt und bereits im Bereich Forschung und Entwicklung viel unternimmt, um immer besser zu werden. Für ihn ist klar: Wer das Klima schützen will muss die saubere Industrie hier in der Region schützen.

Nach der Diskussionsrunde haben die Delegierten zudem ein umfassendes Maßnahmenpaket zum Schutz für die 8000 Beschäftigten in der Stahl- und Aluminiumindustrie in der Region beschlossen und das dazugehörige Positionspapier „Gute Arbeit in der energieintensiven Industrie: Stahl und Aluminium“ verabschiedet.

Die wichtigsten Eckpunkte aus dem Positionspapier sind:

  • Erhalt der industriellen Wertschöpfungsketten in Deutschland
  • Sicherung der Versorgung mit netzstabilem Strom
  • Bezahlbarer Strom für die Industriearbeitsplätze in Deutschland
  • Kein nationaler Alleingang bei einer CO2-Besteuerung
  • Nutzung der Potentiale der Grundstoffindustrie für die Energiewende

Das Positionspapier findest Du hier

Als weiterführende Hintergrundinfo findest Du die Anforderungen der IG Metall zum Klimaschutzplan 2050 und Klimaschutzgesetz hier

Wir sind mehr- Delegiertenversammlung unterstützt Erklärung des Beirats

Nicht nur zuletzt in Chemnitz, sondern bundesweit mobilisieren derzeit verstärkt Rechtspopulisten, Faschisten und Neonazis gegen elementare Grundwerte unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Dazu hat der Beirat der IG Metall am vergangenen Montag seine Erklärung „Für Menschlichkeit und Solidarität – gegen Spaltung, Rassismus und Hass“ veröffentlicht. Die Beiratsmitglieder rufen in ihrer Erklärung dazu auf, aktiv für Solidarität, friedliches Zusammenleben und die Achtung der Menschenwürde einzutreten. Jeden Angriff auf demokratische Grundwerte verurteilen sie.

Auf ihrer gestrigen Sitzung haben sich auch die Delegierten der IG Metall Düsseldorf-Neuss einstimmig der Erklärung des Beirats „Für Menschlichkeit und Solidarität- gegen Spaltung, Rassismus und Hass“ angeschlossen. Auch sie treten in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich und in ihren Betrieben offensiv für Menschenwürde und gegen Populismus und Menschenfeindlichkeit ein und rufen dazu auf, sich menschenfeindlichen Aufmärschen aktiv entgegenzustellen.

Die komplette Erklärung „Für Menschlichkeit und Solidarität – gegen Spaltung, Rassismus und Hass“ findet ihr hier